Dienstag, 30. März 2021

Utopien für ein besseres Morgen

 

"Utopien sind Sehnsuchtsorte. Schon seit der Antike spielen sie im politischen Denken eine zentrale Rolle. Mit Utopien kann man bestehende Verhältnisse offensiv kritisieren und gleichzeitig eine Perspektive bieten", schreibt Kurt Beck im Vorwort. Fortschritt scheint ohne eine utopische Haltung schwer möglich.

Die aktuellste Utopie besteht in der Schaffung einer gerechten Weltwirtschaftsordnung. Neben Papst Franziskus scheinen eine solche Utopie fast alle Politiker zu fordern. Die in diesem Buch versammelten Autoren und Autorinnen scheinen sich der Sozialdemokratie verpflichtet zu fühlen. Für Heidemarie Wieczorek-Zeul kann es aber eine globale gerechte Ordnung nur geben, wenn die zentralen Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität das Fundament einer solchen Ordnung bilden.

Eine Weltwirtschaftsordnung bedarf als flankierende Maßnahme eine Weltrechtsordnung. Bei der Verwirklichung solcher utopischer Ziele bedarf es eines langen Atems, Geduld und Ausdauer. Max Weber hat als das Bohren dicker Bretter genannt. Ob dafür die Zeit ausreichen wird, anlässlich sich überstürzender Horrorszenarien, kann nur durch die Realisierung von Utopien beantwortet werden. Ob dafür eine sozialdemokratische ausreicht, darf jedoch bezweifelt werden.

Freitag, 26. März 2021

Angela Merkel und ihr Corona-Politbüro haben Deutschland schwer geschadet.

Merkel musste die den Bürger aufgezwungene sogenannte "Osterruhe" zurücknehmen. Es sei alleine ihre Verantwortung und es sei ein Fehler gewesen. Sie bat die Bürger um "Verzeihung". Ihre Worte bedeuten jedoch nichts, sie sind absolut unglaubwürdig. "Das Virus wird seinen Schrecken verlieren", so Merkel. Sie als Schreckgespenst bleibt Deutschland jedoch noch erhalten.

Nach dieser Blamage hätte Merkel eigentlich ihre Koffer packen müssen und sich in ihre wohlverdiente dauerhafte "Osterruhe" verabschieden sollen. Warum stürzt die CDU/CSU-Fraktion sie jetzt nicht? Kein Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender hat ihrer Partei so geschadet wie Merkel. Wie es scheint, kann die Stalinistin im Kanzleramt nur das Land abriegeln, was sie in der DDR gelernt hat. Nach diesem Desaster sollte die CDU/CSU-Fraktion rebellieren und Friedrich Merz zum Kanzlerkandidaten küren, um  für die CDU/CSU noch zu retten, was zu retten ist. Er ist der einzige, der eine Schwarz/Grüne Diktatur á la Söder oder á la Laschet mit den Grünen verhindern kann.

Jetzt schieben die Corona-Fundamentalisten Merkel, Söder, Laschet, Scholz und die restlichen Jasager die Bruchlandung auf irgendwelche arbeitsrechtlichen oder logistischen Probleme, was man natürlich zu Beginn nicht bedacht habe. Man kann sich fragen, ob dieses Politbüro überhaupt denkt? Das Einsperren der Menschen ist absoluter Unfug, da man dadurch keine Immunität erwerben kann. Nach dem Lockdown bis Mitte April wird sich die Lage um keinen Deut gebessert haben. Da auch die Impfbeschaffung völlig gescheitert ist, kann man eine Immunität noch nicht einmal durch Impfung erreichen.

Wieso hat Deutschland einer dysfunktionalen und unfähigen Organisation wie der Europäischen Union (EU) die Impfbeschaffung überhaupt übertragen? Jedem ist bekannt, dass diese Organisation absolut inkompetent ist. Ihre einzige Kompetenz liegt in der Verschwendung von Steuergeldern. Es seien nur die sogenannte Euro-Rettung, der Schutz der Außengrenzen, die Organisation der sogenannten Flüchtlingskrise oder jetzt die Impfbeschaffung zu nennen. Bei all diesen Problem ist die EU formvollendet gescheitert. Personelle Konsequenzen: Fehlanzeige.

Die unfähigste und korrupteste in dieser EU-Nomenklatura ist jedoch Ursula von der Leyen. Sie hatte schon im Bundesverteidigungsministerium ein System von Vetternwirtschaft und Korruption betrieben. Nach dem Peter-Prinzip werden die Unfähigsten aber immer weiter nach oben befördert. Die historischste Leistung von Frau von der Leyen wäre, die EU völlig an die Wand zufahren. Ein Platz in den Geschichtsbüchern wäre ihr sicher, sonst würde man sich nur an ihre immer perfekte Frisur erinnern. Warum tun es die anderen Länder Großbritannien nicht gleich und verlassen dieses Sowjetunion-ähnliche Konglomerat von Staaten?

 In der EU gibt es jedoch Mitgliedstaaten, die sich dem Diktat von der Leyen entziehen und sich mit dem russischen Impfstoff Sputnik V versorgt haben. Sie haben im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich verantwortungsbewusst gegenüber ihrer Bevölkerung gehandelt. Der EU-Nomenklatura widerspricht natürlich dieses souveräne Verhalten einiger Staaten. Sie wollen nicht Befehlsempfänger einer undemokratischen Politkaste sein, die keinerlei Verantwortung für nichts trägt.

Nachdem das Merkel-Regime eine Osterrolle rückwärts vollzogen hat, sollten Osterurlaube auch in Deutschland erlaubt werden. Die Gastronomen und Hoteliers sowie die Menschen sind allemal verantwortungsbewusster als die Corona-Fundamentalisten in Berlin und in den Ländern. Die "Dritte Welle" ist wie der sogenannte Inzidenzwert eine willkürliche Setzung von Politikern, die die Angstspirale hoch halten wollen, um die Menschen besser beherrschen und kontrollieren zu können. Die Corona-Pandemie wird schon lange für übergeordnete politische Zwecke missbraucht. Dass die Staats- und Konzernmedien dem Merkel-Regime immer noch zu Füßen liegen und diese Frau anhimmeln, zeugt von einer geringen Kritikfähigkeit und von einem Hofschranzen-Journalismus, der so überflüssig ist wie ein Kropf.  

Montag, 15. März 2021

Joseph Melzers außergewöhnliches Leben im 20. Jahrhundert

Erinnerungskultur genießt einen hohen Stellwert in Deutschland. Jetzt liegen die Lebenserinnerungen des jüdischen Verlegers Joseph Melzers vor. In ihnen wird ein jüdisches Leben  im 20 Jahrhundert entfaltet, das in jeder Beziehung als außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Der Autor  habe "neun Leben  gelebt". Diese Behauptung macht neugierig.

Joseph Melzer wurde 1907 in Kuty, einem Städtchen in Galizien, in die K. u. K.-Monarchie (Donaumonarchie) geboren. Am Ende des Ersten Weltkrieges fiel ein Teil Galiziens an Polen und Melzer war fortan Pole. Kaiser Franz Joseph wurde als Vaterfigur verehrt. "Der Kaiser schützte seine Juden, und die Juden liebten ihren Kaiser." In dieser "kleinen Welt" gab es keinen Antisemitismus. Judenhass wurde so wahrgenommen "wie Sommer und Winter". "Judenhass habe ich erst viel später im Deutschland der zwanziger und frühen dreißiger Jahre kennengelernt."

Neben seiner lebenslangen Liebe zu Büchern - besonders den antiquarischen-, beschäftigte die "jüdische Frage" Melzers gesamtes Leben, da sie ihn "unmittelbar betraf" und eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei". In der Frühzeit der kommunistischen Bewegung glaubte Melzer noch an die These, dass die "soziale Frage" auch die "Judenfrage" lösen würde. Desillusioniert stellt er vierzig Jahre später fest, "dass der sowjetische Sozialismus weder die soziale noch die jüdische Frage zu lösen imstande war." Da das Problem ungelöst geblieben sei und sich nach dem Holocaust die Frage der Emigration nach Israel als "einzigen Ausweg" anbot, sympathisierte Melzer für kurze Zeit auch mit dem Zionismus.  Obgleich er Mitglied einer zionistischen Organisation war, dachte niemand daran, nach Palästina auszuwandern. "Eigentlich wollten wir alle gute Deutsche sein." Nach zwei Aufenthalten in Israel  (1933-1936 und 1948-1958) kehrte Melzer desillusioniert in sein insgeheim geliebtes Deutschland zurück.   

Die Unaufrichtigkeit des Zionismus erlebte Melzer bereits während seines ersten Aufenthalts in Palästina. Mit seinen Bekannten aus David Ben-Gurions Arbeiterpartei "Mapai" organisierte er ein Treffen mit dem palästinensischen Intellektuellen Raghib al-Naschaschibi über die Rolle des Zionismus in Palästina. Walter Klingnow, ein engagierter Zionist, wollte  al-Naschaschibi die Vorteile des Zionismus für Land und Leute erklären. So wolle der Zionismus die einheimische Bevölkerung mit der westlichen Zivilisation vertraut machen und den "gebildeten Arabern die europäische Kultur nahebringen".

Ruhig erwiderte al-Naschaschibi auf diese zionistische Überheblichkeit und Arroganz: "Ich verstehe die Argumente der Juden, aber die Araber haben keinen anderen Weg, als sich gegen die Überflutung des Landes durch jüdische Einwanderer zu wehren, denn sie stellen die Existenz des palästinensischen Volkes in Frage." Auf jüdischer Seite konnte er keine Kompromissbereitschaft erkennen, im Gegenteil: "Ein Judenstaat bedeutet für uns, dass ganz Palästina der Herrschaft der Juden ausgeliefert sein wird und dass die Palästinenser allenfalls geduldet blieben. In einem souveränen und eigenständigen jüdischen Staat werden Araber nicht die gleichen Rechte haben können. Auch für sie sei es darum eine Frage des Überlebens, eine Frage auf Leben und Tod."

Der überwiegende Teil von Melzers "neun Leben" war von Elend, Leid, Hunger, Verzweiflung aber immer auch "Glück" gekennzeichnet. Er war nicht nur mit zahlreichen Intellektuellen seiner Zeit befreundet, sondern selbst in scheinbar aussichtslosesten Situationen setzte er immer wieder auf Geduld und Beziehungen.  Dies half ihm besonders in Paris, "der schönsten Zeit meines Lebens". Tagsüber lebte Melzer in seiner Buchhandlung, abends im Café du Dome. Dort traf er auch Joseph Roth, der im galizischen Dorf Brody geboren wurde. Unter "Galizianern" bestand nach Melzer eine "tiefe und verlässliche Solidarität wie in einer großen Familie". Beide sprachen oft über die "jüdische Frage" und den Zionismus. Für Roth konnte der Zionismus diese Frage nicht lösen; er könne nur eine "Teillösung der Judenfrage" darstellen. Roth befürchtete auch, dass "das Antisemitismusproblem in einem jüdischen Staat in Palästina weit gefährlichere Probleme hervorbringen werde".

Joseph Melzer überlebte die sibirische Verbannung, Samarkand und das Lager für Displaced Persons (DP) in Österreich und gelangte schließlich mit seiner Frau Mirjam und seinen Söhnen Abraham und Zwi-Simon 1948 nach Israel, wo seine Tochter Judith geboren wurde. Obgleich er sich wieder eine Existenz als Buchhändler aufgebaut hatte, zog es ihn samt seiner Familie nach Deutschland zurück, obwohl seine Frau Mirjam partout nicht im Länder der Täter leben wollte, wurde doch ihre komplette Familie von den Nazis vernichtet.

In Köln angekommen konnte sich Melzer der Neugründung seines Verlages widmen, die durch eine kleine Entschädigung seitens des deutschen Staates für sein verlorenes Vermögens in Paris möglich geworden war. Er brachte eine Ludwig Börne-Gesamtausgabe heraus, die sich aber schwer verkaufen ließ. Ein Verkaufsschlager wurde hingegen das Buch von Pauline Réage "Geschichte der O.", die seinerzeit zu Unrecht als Pornographie galt. Verlagsinterne Intrigen eines gewissen Jörg Schröder, den Gründer des März-Verlages, trieben letztendlich den Melzer-Verlag in den Konkurs. Abraham (Abi) Melzer hauchte dem altehrwürdigen Melzer-Verlag mit einem zeitgemäßen Konzept neues Leben ein. Joseph Melzer baute in seinen letzten Lebensjahren noch einmal ein beachtliches Antiquariat auf, bevor er in Januar 1984 an Krebs verstarb.

Diese Lebenserinnerungen sind sowohl als zeitgeschichtliches als auch kulturhistorisches Dokument von großer Bedeutung. Obgleich Melzer mit dem Zionismus anfänglich sympathisierte, entschied er sich für das humane Judentum und seine universalistischen Werte und gegen das engstirnige zionistische Stammesdenken. Das Durch- und Überleben der schrecklichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts machen diese Memoiren so wertvoll.