Sonntag, 30. Dezember 2012

Congratulations for Carlos Latuff and Jakob Augstein

Carlos Latuff  erhält einen "Preis"!
Das “Simon-Wiesenthal-Zentrum” (SWC) in Los Angeles war einst berühmt für das Aufspüren von ehemaligen Nazi-Verbrechern. Dies ist lange her. Die Institution zehrt noch immer von diesem Nimbus. Heute veröffentlicht das SWC jährlich eine „Hitliste“ der größten „Antisemiten“ auf der Welt. 

Den dritten „Antisemitismus-Preis“ erhielt der brasilianische Cartoonist Carlos Latuff, der durch seine Karikaturen die Verbrechen der israelischen Besatzungsmacht gegen das palästinensische Volk immer treffsicher auf den Punkt bringt. 

Auch dieses Jahr ist wieder ein Deutscher unter den „Preisträgern“, Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“. Augstein äußerte sich wie immer höflich zu dieser „Ehrung“: „Das SWC ist eine wichtige, international anerkannte Einrichtung. Für die Auseinandersetzung mit dem und den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWC meinen ganzen Respekt. Umso betrüblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwächt wird. Das ist zwangsläufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird.“ 

Augsteins Verstoß gegen die Dogmen, welche die „Israellobby“ um Israel herum aufgeschichtet hat, um es vor Kritik an seiner brutalen Besatzungsherrschaft, den permanenten Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern und den Verstößen und der Missachtung des Völkerrechts abzuschirmen, um diejenigen als „Antisemiten“ zu verleumden, die es immer noch wagen, darauf hinzuweisen wie z. B. Augstein. Latuff und viele andere mehr. 

Solche irrwitzigen „Ehrungen“ sollte man Schulterzuckend zur Kenntnis nehmen. Who cares? Eine aufgeklärte Öffentlichkeit kann sich nur indigniert von diesen Institutionen abwenden, die auf einer andere Galaxie leben. Solche „Preisverleihungen“ zeigen deutlich, dass diese Lobbyisten keine sachlichen Argumente haben, sonst müssten sie nicht kritisch-denkende Journalisten verleumden, diffamieren und mit Schmutz bewerfen. 

2011 hatte es Hermann Dierkes zu ähnlichen „Ehren“ gebracht. Auch gegen ihn wurde in der Bundesrepublik eine regelrechte Hetzjagd veranstaltet, um ihn politisch fertigzumachen, was zum Teil auch gelungen ist, weil sich zahlreiche Medien in den Dienst der Kampangenmacher gestellt haben, anstatt sich ihres öffentlichen Auftrages zu erinnern, eine kritische Distanz zu bewahren, objektiv zu berichten und sich nicht einem Kampagnenjournalismus zu verschreiben.

Kritik an der Regierungspolitik Israels ist mehr als geboten, weil die Netanyahu-Regierung gegen demokratische und andere westlichen Werte verstößt, indem sie seit 45 Jahren ein anderes Volk kolonisiert, es seiner Freiheit beraubt, seine Bürger diskriminiert und als Bürger zweiter und dritter Klasse behandelt, ihnen das Land und ihre Freizügigkeit raubt, es einmauert, belagert und von Zeit zu Zeit durch seine Militärmaschinerie angreift wie 2008/09 und 2012 im Gaza-Streifen geschehen. Wenn dies „Antisemitismus“ sein soll, stimmt etwas nicht mehr im Westen.

Erschienen auch hier.
Englisch hier und hier.

Samstag, 29. Dezember 2012

Henryk M. Broder und das Stöckchen

Mutige auf Reisen!
Deutschlands größter Journalist hat genauso reagiert, wie ich es meinen Freunden prophezeit habe: Er springt tatsächlich über jedes Stöckchen, das man ihm hinhält. Die beiden links, die Deutschlands dream team zeigen, sind leider im Internet nicht mehr auffindbar, da HMB mir keine Bildquelle nennen wollte, musste ich sie durch Collagen ersetzen, die noch aussagekräftiger als die Originale sind. Von wem hatte HMB übrigens bei seinem infantilen „Quiz“ die Interna über mich?

Meine Gleichgültigkeit HMB gegenüber ist eher von Mitleid geprägt, weil er, als er noch knackig war, tatsächlich klare Gedanken zum Nahostkonflikt zu Papier gebracht hat. 1989 schrieb er in der Juli/August-Ausgabe der fortschrittlichen jüdischen Zeitschrift „Semit“ seines „Freundes“ Abraham Melzer recht vernünftige Dinge. „Du ahnst in der Tiefe Deiner Seele, dass wir es sind, die den Palästinensern Unrecht tun und nicht umgekehrt, und um dieses Unrecht zu rechtfertigen, musst Du darüber spekulieren, was ‚die‘ tun würden, wenn sie könnten, wie sie wollten.“ Oder noch treffender: „Entweder wir oder sie“, es gehe ums Überleben. Mit einer solchen Blankovollmacht auf den eigenen Namen ließe sich alles begründen und rechtfertigen. Aber am Ende wende sich diese Moral immer gegen ihren Urheber. Habe man sich erst einmal an eine chronische Notwehrsituation gewöhnt, könne man mit der Selbstverteidigung gar nicht mehr aufhören, es müssten dann ständig neue Feinde her, so HMB. Heute würde jedem sofort Iran einfallen, aber es wird noch besser: Nach den Arabern kämen die „jüdischen Verräter“ an die Reihe, die „Nestbeschmutzer und Sympathisanten“. Moral und Menschlichkeit blieben auf der Strecke, Logik und Vernunft käme unter die Räder, schrieb ein damals noch hellsichtiger HMB. 

Auch aus folgenden Sätzen spricht noch eine berechtigte Sorge gegenüber der Brutalität der israelischen Besatzungstruppen. „Nur im Notfall haben vier Soldaten einer Eliteeinheit einen Palästinenser vor den Augen seiner Kinder zu Tode geprügelt, nur im Notfall wurde ein palästinensischer Junge gezwungen, eine palästinensische Fahne von einem Strommast zu entfernen“, (Es habe ja mal wieder unsere nationale Existenz auf dem Spiel! Gestanden, so HMB) „wobei er durch einen Stromschlag getötet wurde“. Eine Einheit der Grenztruppen habe nur im „Notfall“ in dem Dorf Nahalim ein Blutbad angerichtet, bei dem fünf Einwohner getötet und über 20 verletzt worden seien. Die Haustiere blieben unberücksichtigt, die ja in „eindeutiger Selbstverteidigung“ erlegt werden mussten. 

Heute dagegen verzapft HMB nur noch reaktionären neokonservativen, alles verteidigenden Stuss, wenn es um Israels Gewaltpolitik in Palästina geht, von seiner besonderen Phobie gegenüber dem Islam gar nicht zu reden, sonst hätte er es nicht unter positiver Erwähnung ins so genannte Manifest des norwegischen Massenmörders geschafft.

Nach der „Deutschland-Safari“ hat der Fernsehsender die beiden Jungs auf „Europa-Safari“ geschickt. Aus letzterer scheinen HMB die Ideen erwachsen zu sein, die er in einem Vortrag „Wir erleben die letzten Tage Europas“ zum Besten gegeben hat. Diese sympathischen Ideen habe ich bereits vor 20 Jahren veröffentlicht. Man soll ja im Alter weiser werden, was aber für einige nur ansatzweise zutrifft.

Brave fighters against Hamas Terror?
Warum gehen die beiden „Experten“ nicht auf Kosten des Senders, sprich des Steuerzahlers, auf eine Israel- und Palästina-Safari und beteiligen sich auf Seiten Israels am „Antiterrorkampf“ gegen Hamas oder dem Hisbollah? Beklagt sich HMB nicht ständig über Menschen, die über das israelische menschenverachtende Besatzungsregime gegenüber den Palästinensern aufklären, aber zu anderen Verbrechen anderer Regime angeblich schwiegen? Er nennt diese honorigen Persönlichkeiten „Das Pack“. Man könnte meinen, dass „Das Pack“ gefälligst zu schweigen habe, wenn HMB schweigt, verschweigt und verdrängt. Für zahllose andere Broder-Schmankerl empfehle ich die folgende Dokumentation.

Auf einer möglichen Nahost-Safari würde das eigentliche „Pack“ (HMBs alter ego möge mir verzeihen) Millionen von Semiten treffen. Vielleicht finden Sie dort auch eine ähnlich große Anzahl von „Antisemiten“? Oder gibt es diese nur unter den rassistischen Kolonisatoren? Der arabischen Welt war das Phänomen des „Antisemitismus“ fremd, bis die Zionisten Palästina kolonisiert haben. Selbst heute gilt eine eventuelle Abneigung der Palästinenser nicht den Juden gegenüber, die Jahrtausende friedlich unter ihren muslimisch-semitischen Brüder und Schwestern leben, wie die Beispiele Iran oder Marokko deutlich zeigen, sondern den zionistischen Kolonisatoren ihres Landes. Unter Semiten ergibt „Antisemitismus“ keinen Sinn. Er ist eine typisch europäische rassistische „Errungenschaft“. 

Bevor die beiden womöglich doch noch endgültig zum Mars aufbrechen, sollten sie einen kurzen Abstecher in den Nahen Osten machen. Anyway, Gute Reise!

Freitag, 28. Dezember 2012

Joe Sacco, Palästina

Anfang der 1990er-Jahre bereiste der maltesisch-US-amerikanische Comiczeichner Joe Sacco nach der Absolvierung seines Journalismus-Studiums in Oregon/USA Israel und Palästina. Eine wichtige Motivation für ihn war die extrem einseitige Darstellung des Nahostkonflikts in den US-Medien, die außer der israelischen Sichtweise nichts Erhellendes, ja nur „Erbärmliches“, wie es Sacco nennt, zu diesem Konflikt beitrügen. Die USA finanzierten mit ihren Milliarden-Dollar-Subventionen nicht nur das koloniale Siedlungsprojekt, sondern auch die brutale Besetzung Palästinas, die durch massive Waffenlieferungen aus den Vereinigten Staaten aufrechterhalten werde. 

Noch beschämender für Sacco war die Tatsache, dass er trotz intensiven Studiums von Zeitungen und Nachrichtenschauens von dem Thema immer noch keine Ahnung über die Palästinenser hatte; er assoziierte sie mit „Terrorismus“. Sein erster Comic trug den Titel „Meet the Asshole“, womit Yasser Arafat gemeint war. „Ich wusste von ihm nur, was mir von den Massenmedien beigebracht worden war, weshalb es mir leicht fiel, ihn zu verteufeln.“ 

In neun Kapiteln verarbeitet der Autor nach einem Palästina-Aufenthalt seine Eindrücke in einem neuen Genre – dem Comic-Journalismus. Sacco schildert das Leben in Palästina und Israel aus der Sicht eines US-Amerikaners, der eine für ihn unbekannte Welt betritt, in der die Menschen traumatisiert sind von Terror und Besatzung, in der Verhaftungen, Vertreibungen, Abriegelungen, Demütigungen, Rechtlosigkeit und Willkür, Zerstörung und Enteignung von Eigentum zum Alltag gehören. 

Seit der Veröffentlichung dieser Comics ist aber alles noch viel schlimmer geworden. Israel hat mit US-amerikanischen Waffen, die angeblich nur „Verteidigungszwecken“ dienen, Kriege gegen Libanon und den Gaza-Streifen geführt. Bei denen jeweils 1 200 Menschen im Libanon und 1 400 Menschen in Gaza getötet worden sind – überwiegend Zivilisten, in der Mehrzahl Frauen und Kinder. 

Dieses Comic-Buch ist kein „objektives“ Werk, „wenn man unter Objektivität den amerikanischen Ansatz versteht, der beiden Seiten das Wort gibt, sich aber nicht um die Darstellung der Realität kümmert. In diesem Buch wollte ich nicht objektiv sein, sondern ehrlich.“ Das Buch ist sehr persönlich und immer noch aktuell. Es zeigt die unschönen Seiten der Lage der Menschen in Palästina, über die westliche Medien den Schleier des Vergessens legen wollen. Sacco dagegen zieht durch eindrucksvolle Szenerien das ganze Elend eines kolonisierten Volkes an die Öffentlichkeit. Sehr lesenswert!

Erschienen auch hier

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Zionismus und Faschismus

Wer zuvor behauptet hätte, es habe eine intensive Zusammenarbeit zwischen Zionismus und Faschismus (Nationalsozialismus) gegeben, wäre vor Erscheinen des Buches - „Zionism in the Age of Dictators“ - im Jahre 1983 gesellschaftlich und politisch erledigt gewesen. Bis heute ist dieses Thema in vielen Ländern ein Tabu. Es hat bis 2007 gedauert, bis es von einem mutigen Verlag auf Deutsch publiziert worden ist. Es wird seit seinem Erscheinen von den zionistischen Organisationen, ihren Repräsentanten und Helfershelfern totgeschwiegen. Eine Befruchtung der Debatte über die wirklichen Gründe des Antisemitismus findet nicht statt. 

Wer sich mit den Ideen der zionistischen Bewegung – auch des Revisionismus - vertraut macht, wird etliche Übereinstimmungen zwischen Faschismus und Zionismus erkennen, weil der Zionismus ein ideologisches Produkt des Nationalismus und Kolonialismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts war und folglich herumvagabundierende ideologische Versatzstücke anderer Ideologien adaptiert hat. So schrieb Theodor Herzl in „Der Judenstaat“: „Auch sind die jetzigen Völker nicht geeignet für die unbeschränkte Demokratie und ich glaube, sie werden zukünftig immer weniger dazu geeignet sein (…) Ich glaube nicht an unsere politische Tugend, weil wir nicht anders sind als die anderen modernen Menschen.“ In den 1930er-Jahren wurden die Revisionisten von Vertretern anderer Strömungen im Judentum wegen deren Mussolini-Bewunderung als „jüdische Faschisten“ betitelt.

Herzl war derjenige, der schon sehr früh über die „nützlich Hilfe“ des Antisemitismus für den Zionismus schrieb: „Die Regierungen aller Länder, die vom Antisemitismus geplagt werden, haben ein Interesse daran, uns zu helfen, damit wir die Souveränität erhalten“. Und in seinen Tagebüchern schrieb über den Zionismus: „Die Antisemiten werden unsere verlässlichsten Freunde sein, die antisemitischen Länder unsere Verbündete.“ (Tagebücher, Bd. 1, Jüdischer Verlag, Berlin 1922, S. 93.) Auch zum Antisemitismus äußerte er sich „differenziert“: „In Paris gewann ich ein freieres Verhältnis zum Antisemitismus, den ich historisch zu verstehen und zu entschuldigen anfing.“ (Tagebücher, S. 74.)

Das Ziel der säkularen zionistischen Bewegung war, einen „Judenstaat“ zu schaffen, der als Gleicher unter Gleichen in der Weltstaatengemeinschaft agiert und seinen Staatsbürgern ein gleichberechtigtes Leben wie allen anderen Bürgern ermöglicht. Der Zionismus hat mit der Gründung Israels sein Ziel erreicht. Seinen absoluten Triumph konnte er mit der Unterzeichnung der „Prinzipienerklärung“ vom September 1993 feiern, als die kolonisierten Palästinenser den Staat anerkannten. Jede Art von Vorzugsbehandlung oder Dämonisierung Israels in den internationalen Beziehungen oder der Forderung nach einer „moralischeren“ Haltung seiner Staatsbürger stellt eine Form des Antisemitismus dar. Die Israelis sind genauso gut oder schlecht wie die US-Amerikaner, die Briten, die Palästinenser, die Tongaer oder die Deutschen. 

Der US-Amerikaner Lenni Brenner wurde in eine jüdisch-orthodoxer Familie hineingeboren. Er engagierte sich schon früh für die gesellschaftliche Gleichberechtigung nicht nur der schwarzen US-Bürger in Zusammenarbeit mit Martin Luther King, sondern war auch Mit-Begründer der „National Association for Irish Justice“. Er engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und gründete zusammen mit dem legendären „Black-Power“ Aktivisten Kwame Ture das „Komitee gegen Zionismus und Rassismus“.

Der Autor entzaubert eine weitere der zahlreichen zionistischen Geschichtslegenden, dass der Staat Israel das Erbe des Kampfes gegen den Faschismus und Antisemitismus angetreten habe. Im Gegensatz zu Kommunisten, Sozialisten und Christen, haben sich zionistische Repräsentanten nie an vorderster Front im Widerstand gegen die barbarische Ideologie des Faschismus hervorgetan. Im Gegenteil, man ordnete alles dem Ziel der Schaffung eines Staates unter, wobei man bereit war, mit den faschistischen Regimes in Europa zu paktieren. 

In 25 Kapitel erzählt Brenner eine unglaubliche Beziehungsgeschichte, nämlich der zwischen Zionismus und Faschismus. Diese „unheimliche Geschichte“ wurde für die deutsche Ausgabe mit einem Vorwort von Dieter Elken sowie neuen Dokumenten im Angang versehen. Die zionistische Kollaboration mit den Nazis begann bereits einige Monate nach der Machtergreifung. So erklärte die „Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD)“ am 21. Juni 1933 u. a. dies: „Der Zionismus glaubt, dass eine Wiedergeburt des Volkslebens wie sie im deutschen Leben durch Bindung an die christlichen und nationalen Werte erfolgt, auch in der jüdischen Volksgruppe vor sich gehen müsse. Auch für Juden müssen Abstammung, Religion, Schicksalsgemeinschaft und Artbewusstsein von entscheidender Bedeutung für seine Lebensgestaltung sein (…) Wir wollen auf dem Boden des neuen Staates, der das Rassenprinzip aufgestellt hat, unsere Gemeinschaft in das Gesamtgefüge so einordnen, dass auch uns, in der zugewiesenen Sphäre, eine fruchtbare Betätigung für das Vaterland möglich ist (…) Boykottpropaganda – wie sie jetzt vielfach gegen Deutschland geführt wird – ist ihrer Natur nach unzionistisch, da der Zionismus nicht bekämpfen, sondern überzeugen und aufbauen will.“

„Mit dieser Erklärung streckte der deutsche Zionismus dem Nationalsozialismus die Hand aus zur Kollaboration und erteilte jedem Gedanken an antifaschistischen Widerstand eine Absage“, so Klaus Polkehn. Von Beginn an mit im Boot waren die „Zionistische Weltbewegung“, vertreten durch Chaim Arlosoroff, und Arthur Ruppin von der „Jewish Agency for Palestine“; beide handelten mit der ZVfD und „jüdisch-palästinensischen Bankenvertretern“ das „Haavara (=Transfer)-Abkommen“ aus. Im Gegensatz zu den Zionisten lehnten alle jüdischen Gruppen in- und außerhalb Deutschland die Nazis als ihre schlimmsten Feinde ab und leisteten Widerstand. 

Mit dem Abschluss des „Transferabkommens“ wurde der internationale Boykott des Nazi-Regimes unterlaufen. Zwischen 1933 bis 1939 flossen 60 Prozent des Kapitals von jüdischen Deutschen durch das Haavara-Abkommen nach Palästina. So könnte man den Nazi-Faschismus als einen „Segen“ für den Zionismus in den 1930er-Jahren bezeichnen. Zwischen 1934 bis 1937 besuchten Nazis auf Einladung der Zionisten Palästina; dazu gehörten u. a. Adolf Eichmann und Herbert Hagen. Der zionistische Gesandte Feivel Polkes zeigte ihnen eine zionistische Kolonie auf dem Berg Carmel in Haifa. Seinen zweiten „unfreiwilligen Besuch“ statte Eichmann 1960 Israel ab, um dort für seine Verbrechen angeklagt und zum Tode verurteilt zu werden. 

Obgleich die Zionisten immer behaupten, ihre Kollaboration mit den Nazis sei strategischer Natur gewesen, um so viele Juden wie nur möglich zu retten, sprechen die Fakten eine differenziertere Sprache. Während der Nazi-Herrschaft wurde mehr britischen oder US-amerikanischen als deutschen Juden die Einreise nach Palästina gestattet. Tatsächlich wurden zwei Drittel der Einwanderungsanträge deutscher Juden von Zionisten abgelehnt. Ein idealer Immigrant musste ein glühender Zionist sein, wovon es in Deutschland nur wenige gab.

Einigen Zionisten wie Georg Kareski, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zwischen 1928 und 1930, ging die Kollaboration mit den Nazis nicht weit genug. Er pflegte eine intensive und enge Zusammenarbeit mit diesen, gründete die „Staatszionistische Organisation“ und wurde mit Hilfe der Nazis Leiter des „Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde“. In einem Interview mit der von Propagandaminister Goebbels herausgegebenen NS-Zeitung „Angriff“, das von der Redaktion mit „Die Nürnberger Gesetze erfüllen auch alte zionistische Forderungen“ betitelt worden war, äußerte sich Kareski zustimmend zu den Nürnberger Gesetzen; seine Meinung entsprach dem zionistischen Mainstream. (354-57) Der Autor überschieb sein Kapitel über Kareski mit „Hitlers zionistischer Quisling (lange) vor Quisling“. 

Brenner macht deutlich, dass der Zionismus seit seiner Entstehung ein Spiegelbild anderer völkischer Strömungen war; mit dem Antisemitismus ging er eine „feindliche Symbiose“ ein. Nur die Gründung eines eigenen „Judenstaates“ könne die Antwort auf den latenten Antisemitismus sein, so ein Dogma des Zionismus. Auch ging es den zionistischen Funktionären nicht primär um die Rettung möglichst vieler von der Vernichtung bedrohter Menschen, sondern um die Auswanderung möglichst vieler deutscher Juden nach Palästina, um dem zionistischen Kolonialprojekt zum Erfolg zu verhelfen, so der Autor. Die „Stern-Bande“ machte doch allen Ernstes 1941 den Nazis ein „Angebot einer aktiven Teilnahme am Kriege an der Seite Deutschlands“. Man sprach von Seiten dieser Revisionisten von einer „Interessengemeinschaft zwischen den Belangen einer Neuordnung Europas nach deutscher Konzeption und den wahren Aspirationen des jüdischen Volkes“.

Dieses Buch hätte die Debatte über Antisemitismus oder dessen angeblich „neue“ Variante in Form der Kritik an Israels Besatzungspolitik befruchten können, wenn die „Experten“ in Sachen Antisemitismus sich mit dessen etwas unbequemen Thesen auseinandergesetzt hätten. Auch für die Bildungsindustrie wäre es einmal eine lohnende Investition gewesen. Hoffentlich findet das Buch eine große LeserInnenschaft.

Erschienen auch hier.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Christliche Sozialethik – Architektur einer jungen Disziplin

Wilhelm Korff gehört zu den renommiertesten Sozialethikern, welche die katholische Kirche jemals hervorgebracht hat. Er fungiert bis heute als Impulsgeber des Faches „Christliche Sozialethik“, dessen spiritus rector er ist. Anlässlich seines 85. Geburtstags veranstaltete die Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität München einen akademischen Festakt. Jeder persönlichen Eitelkeit abholt, stand für Korff immer sein Werk im Mittelpunkt. 

Korff hat die junge Wissenschaftsdisziplin mit seinen bahnbrechenden Werken wie „Norm und Sittlichkeit“, „Wie kann der Mensch glücken“ und „Kernenergie und Moraltheologie“ maßgeblich geprägt. Darüber hinaus fungiert er als Herausgeber des „Handbuchs der Christlichen Ethik“, des „Lexikons für Theologie und Kirche“, des „Lexikons für Bioethik“ sowie des „Handbuchs der Wirtschaftsethik“. Sein gesamtes Werk und Denken wird von der „Wende zum Subjekt“ durchzogen.

Dem heute dominanten Gliederungsprinzip der Bereichsethiken, welche die Gefahr in sich bergen, dass die Einheit des Faches zerbröselt, hat der Autor ein Strukturprinzip entgegengesetzt, das erst einmal die Argumentationszusammenhänge deutlich macht, um zuerst die Fragen zu finden, bevor Antworten gegeben werden können. Einer solchen wissenschaftlichen Methodik fühlt Korff sich auch in seinem Unruhestand weiter verpflichtet. Er arbeitet an zwei Großprojekten, in denen es um nichts Geringeres als der „ethischen Vermessung der menschlichen Handlungswelt“ und der „Grundlegung Christlicher Sozialethik“ geht.

In ihrer Laudatio ging Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf das Spannungsverhältnis zwischen ethischem Anspruch und politischem Kompromiss ein. Glaubensethikern erteilte die Ministerin eine Absage, da sich aus dem Glauben wenig Konkretes für die Bewältigung der Schuldenkrise, des Klimawandels, der Vertrauenskrise usw. ableiten lasse. Die Glaubensethiker gingen davon aus, dass christliche Sittlichkeit nicht autonom sei, sondern aus dem Glauben heraus entwickelt werden müsse. Das Besondere einer christlichen Ethik sehe den Menschen als vernunftbegabtes Wesen, der Subjekt seines Handels und verantwortungsbewusster Akteur bei der Normsetzung und Normabwägung sei. 

Der politische Kompromiss verlange eine ständige Abwägung von Gütern.“Sie verlangt deshalb, öffentlich relevante Güter, Interessen und Erwartungen abzuwägen und ist damit das eigentliche Herzstück jeder ethischen Debatte.“ Eine Realisierung von Gütern könne nur unter „Inkaufnahme von Übeln“ erfolgen. In der Politik dürfe man nicht Widersprüche, Vielfalt und die Ausdifferenzierung als Belastung empfinden. Sie sei die eigentliche Herausforderung einer modernen demokratischen Gesellschaft. Zur Klärung dieser Fragestellungen und Konfliktsituationen habe Wilhelm Korff durch seine Ethik einen zentralen Beitrag geleistet. 

Mit großer Spannung werden die avisierten magna opera Korffs erwartet.

Montag, 24. Dezember 2012

Jesus was a Palestinian Jew

Alle Jahre wieder findet das Weihnachtsfest in Palästina unter israelischer Besatzung und Belagerung statt. Bethlehem, die Geburtsstatt Jesu, ist von einer acht Meter hohen Mauer umgeben, die nur noch von zwölf Meter hohen Wachtürmen überragt wird. Ein permanenter Skandal zwar, aber für den christlichen Westen scheinbar kein Problem. Ebenso wenig interessiert die Taufscheinchristen die überaus prekäre Lage ihrer „Brüder und Schwestern in Christo“ in der muslimischen Welt. Hat doch ein „wiedergeborenen Christ“, namens George W. Bush, durch seinen Überfall auf Afghanistan und Irak die Büchse der Pandora geöffnet. Diese grundlos angezettelten Kriege sind u. a. dafür mitverantwortlich, dass die ältesten christlichen Gemeinden vor ihrer völligen Auslöschung stehen. 

Die Christen sind ein integraler Bestanteil der arabischen, folglich auch der muslimischen Welt. Neben ihrer Muttersprache sprechen sie alle Arabisch. Die Christen Palästinas leben wie die muslimischen Gläubigen in einer Konfliktsituation, dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Sie sind im Widerstand gegen die israelische Besatzung und Kolonisierung ihres Landes vereint. Dieser Konflikt ist kein religiöser sondern ein politisch-wirtschaftlicher zwischen Kolonialisten und Kolonisierten. Religiöse Gefühle werden missbraucht, um Zwietracht in Palästina zu säen. Auf Jerusalem haben weder Christen, Muslime noch Juden einen Exklusivitätsanspruch. Die Stadt ist allen drei Weltreligionen gleichermaßen heilig. Nicht ohne Grund bildet die Stadt nach Völkerrecht einen „corpus seperatum“. Da Besatzung ein Unrecht ist, sind zu deren Beseitigung „alle zur Verfügung stehenden Mittel erlaubt“, wie es der 2007 verstorbene Soziologieprofessor Baruch Kimmerling einst in der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ ausgedrückt hat, um die Freiheit wiederzugewinnen. 

Seit der israelischen Besatzung geht die Zahl der Christen in Palästina ständig zurück. Nicht islamische Extremisten, wie die zionistisch-israelische Hasbara (Propaganda) behauptet, machen den Christen das Leben schwer, sondern Israels brutale Okkupation, die täglichen Schikanen an den Kontrollpunkten, die Allmacht des israelischen Militärs, das Passierschein-Regime, das Eingemauert sein, die Behandlung als „Bürger“ dritter Klasse u. v. a. m. Die Schikanen der Kolonisatoren sind es, welche die Christen veranlassen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Erinnert sei an die 40-tägige Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem durch das israelische Militär in 2002. 

Selbst im einst „christlichen“ Bethlehem sind die Christen zur Minderheit geworden. Stellten sie seit 1950 noch die Mehrheit, sank ihre Zahl auf zwölf Prozent, Tendenz sinkend. Viele der Christen wandern in die USA und nach Europa aus. So leben z. B. alle fünf Kinder des ehemaligen christlichen Bürgermeisters von Bethlehem im Ausland. Jetzt wird die Stadt erstmalig von einer Frau regiert. Kaum einer der Ausgewanderten gibt als Grund auch die zunehmenden Spannungen zwischen der christlichen Minderheit und der muslimischen Mehrheit an. 

Seitdem die Hamas den Gaza-Streifen verwaltet, wird seitens einiger westlicher Scharmacher immer wieder behauptet, dass der Druck auf die zirka 1 700 Christen zunehme und sie keine Zukunft mehr hätten. Dass einige christliche Frauen auch das Kopftuch tragen, was auch viele muslimische Frauen nicht nur in Palästina, sondern auch in der „säkularen“ Türkei wieder tun, kann nicht als Beleg für einen angeblichen Druck seitens der Muslime auf Christen interpretiert werden. Auch in Iraq, das bis zu Saddams Sturz das säkularisierteste Land der arabischen Welt war, tragen seit Bushs gewaltsamen „Regimechange“ fast alle Frauen wieder Kopftuch. 

Im Gaza-Streifen ist jedoch das Verhältnis zwischen der christlichen Minderheit und der muslimischen Mehrheit ausgezeichnet, wie Stuart Littlewood in seinem Beitrag „Christmas Message from the Holy Land; ‚Act and Intervene‘“, zeigt. Anstatt Irak zu überfallen, Afghanistan und Libyen anzugreifen und zu zerstören, sollte der Westen auf Seiten des besetzten palästinensischen Volkes intervenieren, um den Menschen Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Würde und ihre Rechte zurückzubringen.

Als kurz vor Weihnachten 2010 einer Dreierdelegation von Christen aus Palästina und dem Weltkirchenrat Irland bereiste, war ihre zentrale Botschaft: „Wir verlangen nur eine Sache von der Welt, uns gegen die Verbrechen Israels zu schützen.“ Ihr Plädoyer war klar: „Handelt und interveniert, sonst wird sich nichts ändern.“ Pater Manuel Musallam aus Gaza sagte über das Massaker an der Zivilbevölkerung um die Jahreswende 2009/09: „Was in Gaza geschah, war kein Krieg. Ein Krieg ist ein Kampf zwischen Soldaten, Flugzeugen und Waffen. Wir waren Opfer, nur Opfer. Sie zerstörten Gaza. Ich war dort und sah mit meinen eigenen Augen, was passiert ist. Wir in Gaza wurden wie Tiere behandelt (...) Wir sind keine Terroristen. Wir haben nicht Israel besetzt.“ 

Das israelische Militär setzte sogar Phosphorgranaten ein, die durch das Völkerrecht geächtet sind. Der Goldstone-Bericht hat Israel Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit attestiert. Die palästinensische Autonomiebehörde sollte umgehend Klage beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag einreichen, damit die damals Verantwortlichen für das Massaker zur Rechenschaft gezogen werden. Dasselbe sollte die libanesische Regierung tun, da beim israelischen Bombardement 2006 1 200 Menschen ums Leben gekommen sind. Weiter sollte die Autonomiebehörde Klage gegen die israelischen Kolonien in der Westbank vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag einreichen.

Der palästinensische Jude Jesus hatte vor 2 000 Jahren die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben. Heute würde er bestimmt der rechtsnationalistischen israelischen Regierung Mores lehren. Er würde auf der Seite seines Volkes, den Palästinensern, stehen und auf seine Weise Widerstand leisten. Was aber tun dagegen seine Nachkommen in seinem Namen? Sie führen einen Krieg nach dem anderen gegen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft, den Islam. 

Nicht nur in Palästina, sondern auch in anderen muslimischen Ländern ist die Lage der Christen mehr als prekär, obwohl aus völlig anderen Gründen. Vor den Hintergrund der Gewalt islamistischer Extremisten hat die Mehrheit der irakischen Christen das Land verlassen; es gibt nur noch Restbestände christlicher Gemeinden in Mosul, Kirkuk, Basra oder Bagdad. Auch in Syrien werden die Christen und andere Minderheiten von Teilen der so genannten Aufständischen jetzt schon bedroht. Das Asad-Regime wird untergehen, davon geht selbst die russische Schutzmacht aus, aber was passiert mit den Menschen – den Alewiten, Drusen und Christen? Dem Westen und den Saudis sei jetzt schon „gedankt“, wenn sich durch deren tatkräftige Unterstützung in Syrien ein weiteres radikales, fundamentalistisches Regime etabliert, welches die religiösen Minderheiten massakrieren wird. So haben die Aufständischen in der syrischen Stadt Aleppo bereits eine „Religionspolizei“ etabliert, und zwei überwiegend christlichen Orten in Zentralsyrien mit der Erstürmung gedroht. Aber die wirklichen Feinde des Westens, der Demokratie und der Freiheit sitzen in Saudi-Arabien. Sie gießen in Syrien weiter Öl ins Feuer und finanzieren unberechenbare Aufständische für einen schmutzigen Krieg. 

Saudische Petro-Dollar werden zur Verbreitung der fundamentalistischsten Variante des Islam weltweit eingesetzt, um einen „Regimechange“ in den Ländern der arabischen Welt im Sinne Saudi-Arabiens zu bewerkstelligen, mit dem einzigen Ziel, den Einfluss des schiitischen Iran zu schwächen und zurückzudrängen. Die Unterwanderung des Mursi-Regimes in Ägypten durch die Saudis ist im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche weit fortgeschritten. Durch die Muslim-Bruderschaft gelang es den Saudis, Einfluss nicht nur auf das Bankensystem zu gewinnen. Einige politische Beobachter sehen Saudi-Arabien als die größte Bedrohung für ein demokratisches Ägyptens an. Auch in Ägypten kam es in jüngster Zeit immer wieder zu Übergriffen gegenüber der koptischen Religionsgemeinschaft, die zirka zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht. Sollten die christlichen und die anderen religiösen Minderheiten zu den Verlierern des „arabischen Frühlings“ gehören, obgleich sie Großes für ihre jeweiligen Gesellschaften geleistet haben? 

Für die prekäre Lage der ursprünglichen Christen in den muslimischen Ländern trägt „der Westen“ aufgrund seiner diversen Militärinterventionen die Hauptverantwortung. Zu Unrecht werden die Christen in Haftung für die Kriegsverbrechen des Westens genommen. Im ansonsten so dämonisierten Iran können Christen und Juden ihren Glauben völlig frei praktizieren. Nur die Glaubensgemeinschaft der Bahei leidet unter massiver Verfolgung durch das Regime. 

Wenn der Westen für christliche Glaubensgemeinschaft und andere verfolgte Minderheiten etwas tun will, sollte er seine Militärinterventionen stoppen und sich aus den inneren Angelegenheiten der arabischen Länder und der muslimischen Welt heraushalten. Mit geschickter Diplomatie erreicht man mehr als durch brutale Gewalt. Merry Xmas!

Freitag, 21. Dezember 2012

The Making and Unmaking of a Zionist

Das Buch von Anthony Lerman ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem gläubigen Zionisten ein ernsthafter Kritiker dieser Ideologie geworden ist. Lerman erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Jungen, der sich einer zionistischen Jugendgruppe anschloss und 1970 israelischer Staatsbürger wurde. Aber nach einigen Jahrzehnten versteht er sich nicht mehr als Zionist. "Having rejected the ethnocentricity of Zionism and the moral and practical implications of taking coercive, racist and illiberal measures to secure a state with a Jewish majority in perpetuity, I can no longer subscribe to a project the logical conclusion of which is to attain such a maximalist nationalist end. No people or state is obliged to follow a path laid down by the exponents of the most extreme interpretation of its national destiny." (198) Als Bürger des Vereinigten Königreichs, kann er sich als Britisch und Englisch bezeichnen, aber nicht als britischer und englischer Nationalist. 

Über einen Zeitraum von über 30 Jahren befasst sich der Autor immer intensiver mit jüdischer Politik sowohl auf kommunaler als auch globaler Ebene. Seine Auseinandersetzung mit Israel und dem Zionismus wurde zu einem integralen Bestandteil seines Lebens. Lerman gründete einen jüdischen Think Tank und eine Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, jüdisches Leben in Europa zu unterstützen. Im Jahr 2006 kehrte er in die Denkfabrik zurück und fand sich mitten in einer polemischen Debatte über die Gefahr des "Antisemitismus" und die Politik des Staates Israel. Nach einem dreijährigen Kampf zwischen dem jüdischen und einem pro-israelischen Establishment, trat Lerman 2009 frustriert von seinem Amt zurück. Während dieser drei Jahre veränderte sich seine Meinung über Israel und den Zionismus dramatisch.

Der Autor beschreibt als Insider das organisierte jüdische Gemeindeleben, das Funktionieren und die Kooperation der nationalen und internationalen jüdischen politischen Organisationen und der zionistischen Bewegung. Diese verschiedenen Aspekte geben Lermans Buch ein gewisses Etwas. Es ist keine Autobiographie, er nutzt, wenn es erforderlich erscheint, autobiographische Aspekte, um das Bild zu vervollkommnen. Der Autor erwähnt die Namen anderer Menschen nur dann, wenn ihre Gedanken und Aussagen von zentraler Bedeutung für seine eigene Geschichte erscheinen.

In Israel beschäftigt sich Lerman intensiv mit zionistischen Denkern wie David Ben-Gurion, Ber Borochov, A. D. Gordon und Berl Katznelson. Der Widerspruch zwischen zionistischer Theorie und zionistische Praxis vor Ort irritierte ihn zusehends. Dass er dem Kibbuz den Rücken kehrte, „had more to do with using his brain than developing his brawn”. Er verließ Israel schweren Herzens, aber ausschließlich aus persönlichen Gründen, um seine Ehe zu retten. (51) Obgleich Lerman bereits ideologische Bedenken gegenüber der Politik Israels hegte, überwogen jedoch persönliche Motive. 

Zurück in England, nahm der Autor – mangels anderer Möglichkeiten - einen Job beim Jüdischen Nationalfonds (JNF=Jewish National Fund) an, den er als die "Seele zerstörenden Kompromiss" ansah. Über 30 Jahren bekleidete Lerman verschiedene hohe Ämter innerhalb des internationalen jüdischen politischen und intellektuellen Lebens. In den 1990er-Jahren gründete er das "Institute for Jewish Policy Research", einen jüdischen Think Tank. Je mehr er die Politik des Staates Israel gegenüber den Palästinensern kritisierte, desto öfter wurde er zur Zielscheibe zionistischer Extremisten.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich Antony Lerman von einem zionistischen Idealisten in einen jüdischen Intellektuellen. Es dauerte fast ein ganzes Leben, um zu entdecken, dass die zionistische Ideologie nichts mit Judentum und jüdischer Ethik zu tun hat. Das Buch möge viele LeserInnen inspirieren und ihre Konversion vom Zionismus zum Judentum beschleunigen.