Mittwoch, 30. Oktober 2013

Israelkongress 2013: Don’t connect for tomorrow

Jüdische Deutsche mit einem realistischen Blick auf Israel: Felicia Langer, Abi Melzer, Rolf Verleger und Evelyn Hecht-Galinski.
Zum dritten Mal findet am 10. November ein so genannter Israelkongress statt, erstmalig im Internationalen Kongresszentrum in Berlin. Das Motto „Connecting for tomorrow“ soll das auf diesen Kongressen verbreitete Propaganda-Image Israels im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung verankern. Die Organisatoren beklagen, dass es eine Diskrepanz zwischen dem Israelbild der politischen Klasse und dem der Bevölkerung gebe. Gott sei Dank, kann man da nur sagen. Es wäre schlimm, wenn die Masse der Bürger/innen ebenfalls das Cliché von einem „beautiful Israel“ pflegen würde, das aus Desinformation und Manipulation besteht. Mit allen propagandistischen Mitteln soll nun das realistische Israelbild der Menschen in Deutschland dem Propagandaimage der politischen Klasse angepasst werden. 

Wie Umfragen der letzten Jahre bestätigen, sehen zwei Drittel der Deutschen und auch der europäischen Bevölkerung Israel als die größte Bedrohung für den Weltfrieden. Nachdem diese Prozentzahlen auch von einer EU-Umfrage aus dem Jahre 2003 bestätigt worden sind, wurde diese im Giftschrank weggesperrt. Im Gegensatz zur politischen Klasse können die Menschen in Deutschland und in Europa noch gut unterscheiden, wer der Aggressor und wer der Leidtragende im Nahen Osten ist. Der Staat Israel als Kolonial- und Besatzungsmacht ist im 21. Jahrhundert ein Anachronismus. Wie man mit einer Besatzungsmacht ein „wahre Wertegemeinschaft“ eingehen kann, bleibt das Geheimnis der Veranstalter.

Schirmherren und Schirmfrau dieses Kongresses sind der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, die Verlegerin Friede Springer und Yacov Hadas-Handelsman, Botschafter Israels in Deutschland,. Gesponsert wird dieser Kongress u. a. von der Lotto-Stiftung Berlin Mitte, von der Deutschen Telekom, der Deutschen Bank, dem Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftssenatorin von Berlin. Selbst der abgewählte noch-Wirtschaftsminister Philipp Rösler gibt am 11. November einen Empfang, zu dem die Mitglieder der letzten Wirtschafts-Delegation eingeladen sind, die Israel besucht hatte.

Diese unausgewogene und einseitige Veranstaltung wird sogar von vier parteinahen Stiftungen sowie von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung unterstützt. Eine rühmliche Ausnahme bildet die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die für diesen Auftrieb der überwiegend rechtskonservativen Redner ihren guten Namen nicht hergeben wollte. Den Veranstaltern schwebt wohl vor, ein gleiches Polit-Spektakel zu inszenieren wie AIPAC in den USA. Zu deren jährlicher Politshow pilgert fasst die gesamte politische Klasse der USA, einschließlich des Präsidenten. 

An prominenter Stelle der Unterstützer werden auch in diesem Jahr die christlichen Fundamentalisten genannt. Diese Philosemiten werden von Kritikern als verkappte Antisemiten angesehen, so genannte „Wölfe in Schafspelz“, um eine Politphrase Netanyahus zu gebrauchen. Zu ihnen gehört: Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (Sponsor); zu den „Freuden“ und „Unterstützern“ gehören: Evangelische Marienschwesternschaft e. V., Internationaler Bibellehrerdienst Deutschland, Christliche Freunde Israels. Wie Rabbiner über diese so genannten „christlichen Freunde Israels“ denken, zeigen folgende Zitate: 

Zur „Judenmission“ dieser „christlichen Freunde Israels“ sagte der Vorsitzende der Rabbinerkonferenz in Deutschland, Henry G. Brandt: Sie sei ein "feindlicher Akt, eine Fortsetzung des Wirkens Hitlers auf anderer Basis". Und Dr. Jürgen Bühlern, der Leiter des Deutschen Zweig der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem, spricht vom: "zukünftigen messianischen Reiches Israel", das dann wohl das jüdische Reich ablösen soll. Bühlern weiter: "Noch erfreulicher jedoch ist, dass die Zahl der Juden, die an Jesus als Messias glauben, in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat..." 

Und für Rabbiner Chaim Z. Rozwaski sei das „Messianische Judentum“ der Versuch, „das jüdische Volk durch Entstellungen sowohl des Christentums als auch des Judentums zu zerstören“. „Messianisches Judentum“ sei ein „fortdauernder Versuch, Juden durch verführerische Reden und Arglist zu gewinnen, es ist die Fortführung der Shoah mit anderen Mitteln“. Die Kooperation zwischen den antijüdischen christlichen Fundamentalisten und der „Israellobby“ scheint nach dem Motto abzulaufen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Bemerkenswert ist, dass sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft nicht an dieser Propaganda-Show beteiligt; von 51 Arbeitsgemeinschaften nehmen nur drei teil.

Ein breites Bündnis aus der Palästina-Solidarität und des kritischen Judentums haben einen bemerkenswerten Brief an die Vorsitzenden der fünf Stiftungen geschrieben und darauf aufmerksam gemacht, welche dubiosen Veranstalter und Redner sich auf diesem Kongress tummeln. Der Brief schließt mit einem Zitat des südafrikanischen Bischofs Desmond Tutu: In einer Konfliktsituation sei es eine moralische Pflicht, auf die Stimme des Opfers zu hören. „If you are neutral in situations of injustice, you have chosen the side of the oppressor. If an elephant has its foot on the tail of a mouse and you say that you are neutral, the mouse will not appreciate your neutrality”, so Tutu. 

Die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost (EJJP) hat für den 10. November zu einer Protestveranstaltung vor dem Kongresszentrum aufgerufen. Der Protest richtet sich vor allem gegen die Teilnahme des Jüdischen Nationalfonds (JNF), der an maßgeblicher Stelle an der Kolonisierung Palästinas beteiligt ist. Die Satzung des JNF legt fest, dass er Land nur an Juden verkaufen oder verpachten darf.

Auf diesem Kongress gibt es keine liberale oder kritische Stimme, geschweige denn eine palästinensische. Für solch eine extrem einseitige Veranstaltung dürfte es keinerlei Unterstützung seitens des Staates, staatlich finanzierter Stiftungen oder anderer namhafter Organisationen geben. Solidarität sollte es nur mit den Unterdrückten und nicht mit dem Unterdrücker geben.

Samstag, 26. Oktober 2013

Stop Aid to Israel`s Occupation of Palestine

Removed Billboard in L. A.
In den USA gibt es zahlreiche Organisationen, die mit oft spektakulären Aktionen Aufmerksamkeit erregen, wie zum Beispiel die „Coalition to stop $ 30 billion to israel“. Im Juni letzten Jahres schloss diese Organisation mit „CBS Outdoor“, die zum Mediengiganten CBS gehört, einen Vertrag über die Präsentation von 23 Werbetafeln in Los Angeles und umliegenden Städten, auf denen für vier Wochen obiges Plakat gepostet werden sollte. Die Freude der Organisatoren währte jedoch nur eine Woche, denn „CBS Outdoor“ entfernte die Plakate und kündigte den Vertrag und erstattete das Geld zurück. Begründung: Die Organisation habe den Namen „CBS Outdoor“ ohne Genehmigung benutzt. 

Plakate mit Slogans gegen Israels Menschenrechtsverletzungen oder gegen Israels völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas in Detroit, Seattle, New York, San Francisco, Sacramento und Albuquerque waren erfolgreich. In Denver, Colorado, konnte ein Kooperationsprojekt von „No Tax Dollars to Israel“ und „Colorado BDS Campaign“ ihren Slogan nur durchsetzten, weil die Gruppen auf eine Strategie zurückgriffen haben, die von der islamophoben Pamela Geller in New York erfolgreich angewendet worden ist.

In Deutschland gelingt es der palästinensischen Solidaritätsbewegung nicht, vergleichbare Aktionen auf die Beine zu stellen. Die Veranstalterin der Wanderausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“, die bisher in zahlreichen Städten gezeigt werden konnte, muss sich jedoch immer häufiger gegen politische Verleumdungen zur Wehr setzen. Auch die Kirchen knicken gegenüber dem Druck von Lobbyisten ein. Sowohl in den USA als auch Deutschland muss noch viel Aufklärungsarbeit über die Besatzungsverbrechen der diversen israelischen Regierungen gegenüber den Palästinensern geleitet werden, um einen Stimmungswandel zu erreichen.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Aufstand der "US-Vasallen"

Plötzlich ist das Geschrei in Deutschland und Europa wieder groß. Die Zwerge proben zum wiederholten Mal den Aufstand gegen den Goliath, der sie vollumfänglich abhört und bespitzelt. Was seit den Enthüllungen von Edward Snowdon aktenkundig geworden ist, dass das US-Imperium seine Kolonien in Europa und deren Repräsentanten flächendeckend abhört und ausspioniert, wird jetzt wieder aufgebauscht, nachdem bekannt geworden ist, dass die NSA das Handy der deutschen Bundeskanzlerin angezapft haben soll. 

So what, könnte man sagen, ist doch sowieso Routine! Dies machen die USA doch schon seit Jahren, und nicht nur die Kanzlerin wurde abgehört und ihre Mails gespeichert, sondern alles, was die politische Klasse in Deutschland so von sich twittert und mailt, wird von dem „Großen Bruder“ und „Freund“ aufgezeichnet und gespeichert. Was die NSA nicht ausspioniert, macht der britische Geheimdienst. Und dies geht bis heute auch weiter, trotz aller „Proteste“. Erscheint die Regierungschefin bei passender Gelegenheit möglicherweise politisch erpressbar? Warum benutzt Frau Merkel nicht wie weiland Helmut Kohl einfach eine Telefonzelle, weil nicht der „Feind aus dem Osten“, sondern der „Freund“ aus den USA mithört? Die Stasi und der KGB müssten vor Neid erblassen, wenn sie das noch erlebt hätten. 

Die politischen Naivlinge, die sich im Sommer in die USA aufgemacht haben, um „Aufklärung“ zu fordern, kehrten mit leerer Versprechung, aber befriedigt zurück. Die USA hatte sie mit politischem Valium abgespeist, obwohl doch Politiker eigentlich wissen müssten, dass das, was sie sagen, nur eine Halbwertszeit von gerade einmal fünf Minuten hat. Dass der für die Geheimdienste zuständige Kanzleramtsminister ein Ende der Debatte über die skandalösen Abhörpraktiken und Ausspähaktionen des US-„Freundes“ verkünden konnte, ist ein einziger Skandal, der aber auf alle Bundestagsparteien zurückfällt. Wie blauäugig muss man sein, um so etwas für bare Münze zu nehmen? Selbst der „Deutsche Michel“ ist nicht mehr so naiv, wie einige Vertreter der politischen Klasse. Die Bespitzelung und das Abhören durch die NSA wird weitergehen, mag man sich in Deutschland und Europa noch so echauffieren. 

Beruhigend für die deutsche Politikklasse sollte es eigentlich sein, dass das US-Imperium auch die stolze „Grande Nation“ und deren Elite flächendeckend ausspioniert hat. Die USA hatten ja seit Präsident Chiracs Weigerung, sich an dem Überfall auf den Irak zu beteiligen, noch ein Rechnung mit den Franzosen offen, und diese wurde jetzt beglichen, obwohl Präsident Hollande alles getan hat, um die Speerspitze der Kriegstreiber gegen Syrien anzuführen. Die anderen EU-Staaten können vernachlässigt werden, sie scheinen für das Imperium nicht relevant zu sein. Die Reaktion in Deutschland auf die massiven Ausspähungen durch das US-Imperium ist unpolitisch. Man fragt, ob Deutschland ein Feind der USA sei. Dies ist jedoch nicht die Frage. Freund-Feind-Kategorien taugen wenig im politischen Alltag, in dem es ausschließlich um politische Interessen geht. Die Freund-Rhetorik über die USA gehört in den Bereich der Sonntagsreden. Wenn jetzt der deutsche Innenminister von den USA eine „Entschuldigung“ verlangt, könnte man fragen, auf welchem Planeten er eigentlich beheimatet ist. Historisch ist es bis dato noch nicht verbrieft, dass sich ein Imperator bei seinen „Provinz-Gouverneuren“ jemals „entschuldigt“ hätte. War es nicht der Innenminister, der für die Internetsicherheit der Deutschen die Verantwortung trägt, der nach seiner USA-Reise verkündet hat, es sei alles in bester Ordnung und die Deutschen sollten sich nur die entsprechenden Programme anschaffen, um ihre Computer gegen die Ausspähungen durch die NSA zu schützen? 

Wie sollten die deutsche und die europäische Politikerklasse auf die Missachtung ihrer selbst und der Souveränität ihrer Länder reagieren? Die deutsche politische Klasse sollte alle US-Einrichtungen, die die deutsche Souveränität verletzten, schließen lassen und das US-Personal ausweisen. Alle US-Atomraketen müssen unverzüglich aus Deutschland abgezogen werden. Alle US-Geheimdienst-Einrichtungen sind zu schließen. Kein Datenaustausch mehr zwischen US- und deutschen Geheimdiensten. Der neugewählte Bundestag sollte umgehend einen neuen Geheimdienst-Untersuchungsausschuss einsetzen, um die Verbindungen der deutschen Dienste zur NSA und anderer Dienste aufzudecken. Insbesondere müssen die technischen Hilfestellungen deutscher Geheimdienste bei der illegalen Tötung Verdächtiger durch die USA aufgeklärt werden. 

Auf europäischer Ebene müssen umgehend die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen eingestellt werden, da dies nur den USA dient, um ihre genmanipulierten Produkte nach Europa exportieren zu können. Jedweder Datenaustausch beim transatlantischen Zahlungsverkehr (SWIFT-Abkommen) oder der Vorabübermittlung der Flugdaten von Passagieren sollte beendet werden. Europäische Datenschutzbestimmungen müssen gegenüber den USA massiver durchgesetzt werden. Sollte dies nicht gelingen, müssen Kooperationen beendet werden. Die Europäer wissen, dass auch ein Imperium keine Monade ist. Die Reaktionen der Staaten wie Brasilien, China, Russland und Indien könnten gute Beispiele abgeben, wie auf die Missachtung der Souveränität reagiert werden kann. Aufgrund der politischen Uneinigkeit der EU wird sich aber nichts ändern. Warum schafft sich die EU nicht gleich selbst ab?

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Vergesst Tebartz-van Elst

Armut versus Triumphalismus in der katholischen Kirche.
Roma locuta, causa non finita! Papst Franziskus hat die diplomatischste  aller möglichen Entscheidungen in der Causa Tebartz-van Elst getroffen. Dem im Luxus schwelgenden und dem Triumphalismus huldigenden Borgia-Bischof wurde nun eine „Auszeit“ auf unbestimmte Zeit verordnet. Und was geschieht dann? Soll Franz-Peter danach als wiedergeborener franziskanischer Minderbruder auf seinen Bischofsthron in Limburg zurückkehren? Soll alles nur ein Sturm im Wasserglas gewesen sein? In der Zwischenzeit wird der designierte Generalvikar Wolfgang Rösch, der sein Amt erst am 1. Januar 2014 hätte antreten sollen, die zeitliche Sedisvakanz überbrücken. Soll nach dieser „Auszeit“ Tebartz-van Elst dann einfach so weitermachen, als sei nichts geschehen? Es ist eher unwahrscheinlich, dass bis dahin Gras über die Causa Tebartz-van Elst gewachsen sein wird. Die Funktionäre im Vatikan scheinen noch nicht alle zu begreifen, wie diskreditiert dieser Bischof in seinem Bistum ist. 

Mit dieser Entscheidung hat Papst Franziskus höchst selbst seine Armen-, Demuts- und Bescheidenheits-Rhetorik beschädigt und damit das franziskanische Motto seines ganzen Pontifikats in Frage gestellt. Gegen diesen Kurs gab es von Beginn seines Pontifikats erheblichen Widerstand seitens der konservativen Seilschaft im Vatikan. Diese wurde von Papst Benedikt XVI. als Präfekt der Glaubenskongregation unter Papst Johannes Paul II. installiert, und er hat diesen Kurs als Papst weiter gefestigt. Seine Bischofsernennungen sprechen Bände. Als seinen Nachfolger als Präfekt der Glaubenskongregation hat er Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg eingesetzt, der zur konservativen Riege im deutschen Episkopat gehört. Dieser oberste Glaubenshüter hat die Berichterstattung über die Prunk- und Verschwendungssucht des Limburger Bischofs als eine „Medienkampange“ in einer Predigt abgetan. So kann nur jemand denken, der bar jeder Kenntnis der Realität sich hinter den Mauern des Vatikans verschanzt und den Teufel mit Beelzebub austreiben will. 

Ein schlechtes Zeichen für die Gläubigen der Diözese Limburg war die überraschende Audienz von Kardinal Joachim Meisner justament bevor Tebartz-van Elst beim Papst vorsprechen durfte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Verbrämt wurde diese Privataudienz für Meisner damit, dass diese schon Monate zuvor anberaumt gewesen sein soll! Kardinal Meisner gilt als kirchenpolitisch reaktionär, aber bestens vernetzt im Vatikan, was auch über seinen Zögling Tebartz-van Elst berichtet wird. Meisner gilt als Strippenzieher hinter den Kulissen und hat schon viele gute Initiativen des deutschen Episkopats versucht zu torpedieren. Tebartz-van Elst galt bis zur Aufdeckung seiner Prunksucht als sein heimlicher Nachfolger. Will Papst Franziskus womöglich den Limburger Bischof als Bischof von Köln inthronisieren? Das Kölner Erzbistum ist Protest erprobt. Jahrelang protestierten die Gläubigen erst gegen die Ernennung von Meisner und dann gegen seine kirchenpolitischen Entscheidungen, dieser hat jedoch alle Proteste ausgesessen. Soll Tebartz-van Elst es ihm gleichtun? 

Musste sich Papst Franziskus eventuell dem Druck der superreichen katholischen Kirche in Deutschland beugen? Keine andere Kirche verfügt über ein solch unermessliches Vermögen wie die deutsche Ortskirche. Das Erzbistum Köln ist nach der Diözese Chicago die zweitreichste der Welt. Geld bedeutet Macht. Wer wüsste dies nicht besser als der Vatikan, der doch selbst eine Skandal umwitterte Bank sein eigen nennt. Sinnigerweise nennt sich die „Vatikanbank“ „Institut für die religiösen Werke“! Oder hat der Vatikan in der Causa Tebartz-van Elst selber Dreck am Stecken? Waren die Müllers, Gänsweins und andere umfassend darüber informiert, was der Limburger Bischof so alles trieb? Aber vielleicht kommt das Hamburger Amtsgericht der katholischen Kirche zur Hilfe und leitet ein Strafverfahren wegen eidesstattlicher Falschaussage gegen den Bischof ein. Dies wäre ein Novum in der deutschen Justizgeschichte. Auch liegen bei der Staatsanwaltschaft Limburg einige Anzeigen wegen Untreue gegen den Bischof vor. 

Das Pontifikat von Papst Franziskus steht jetzt nicht mehr unter einem guten Stern, weil er eine Provinzposse innerhalb der deutschen Ortskirche nicht lösen konnte. Wie viel schwerer wird es für ihn werden, den vatikanischen „Augiasstall“ auszumisten. Mit der Demutsrhetorik eines heiligen Franz von Assisi wird dies nicht gelingen. Als Gegenentwurf steht ihm die „Tempelreinigung“ des Rabbis Jesus zur Verfügung. Wie alle verkrusteten Bürokratien wird dies der Vatikan auch überleben, frei nach dem Motto: Der römischen Kurie kann es egal sein, wer unter ihr Papst ist!

Montag, 14. Oktober 2013

Tebartz-van Elst und die Glaubwürdigkeit von Papst Franziskus

Franz-Peter Tebartz-van Elst und sein ehemaliger Mentor.
Der Skandal- und Luxusbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst entwickelt sich nicht nur zu einem Super-Gau für die katholische Kirche in Deutschland, sondern auch für die Glaubwürdigkeit von Papst Franziskus. Ein Papst, der als Kardinal und Erzbischof von Buenos Aires in Armut und Demut seinen Dienst für die Kirche verrichtet hat und jetzt im Gästehaus des Vatikans, Santa Marta, „haust“, darf einen in Prunk, Vergeudung von Kirchensteuergeldern und Triumphalismus gefangenen deutschen Provinzbischof nicht länger im Amt halten. Solche Bischöfe, die einem solchen Triumphalismus frönen, seien dem „auferstandenen Christus nicht begegnet“, so Papst Franziskus. 

Papst Franziskus ist es nicht zuzumuten, sich mit solch einem skandalumwitterten „Corpus delicti“ zu treffen. Hat sich jemals Papst Johannes Paul II. mit einem der zahlreichen Befreiungstheologen aus Lateinamerika oder anderen Theologieprofessoren getroffen, um sie anzuhören, bevor er ihnen die Lehrbefugnis entzogen hat? Diese honorigen Persönlichkeiten hatten wenigstens noch intellektuell etwas vorzuweisen, wohingegen der Provinzbischof aus Limburg nur Geldverschwendung und persönliche und luxuriöse Dekadenz „vorzuweisen“ hat. Den Empfang, den Papst Franziskus dem Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez am 12. September im vatikanischen Gästehaus Sankt Marta – seinem Wohnsitz (!) - gewährt hat, steht seinem im Luxus schwelgenden „Bruder in Christo“ nicht zu. 

Tebartz-van Elst möge zwar im Lichte der Probleme, denen sich die katholische Kirche weltweit gegenübersieht, ein Nullum sein, aber dieser Skandal muss durch eine klare Trennung gelöst werden. Dass selbst die protestantische Bundeskanzlerin jetzt vor einem großen Schaden für die katholische Kirche warnt, spricht Bände. In Zukunft wird in Deutschland wieder intensiv über die Kirchsteuerzwangsabgabe und die Offenlegung jeglicher „Reptilienfonds“ der einzelnen Bistümer diskutiert werden müssen. Erste Forderungen werden seitens der politischen Klasse bereits erhoben. Warum sollten Bischöfe und Priester nicht durch ihre Glaubwürdigkeit und Verkündigung für ihren finanziellen Unterhalt und dem ihres Bistums bei den Gläubigen werben, wie es fast in allen Ländern der Welt üblich ist? Bescheidenheit würden diesen Kirchfürsten gut anstehen. Die Mercedes S-Klasse sollte gegen einen Smart oder VW-Polo ausgetauscht werden. 

Das Phänomen Tebartz-van Elst ist aber nicht nur ein deutsches Problem. Da van Elst vor dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz - dieses Mal mit einer Billig-Airline (!) - in der „Heiligen Stadt“ gestrandet ist, zeugt davon, dass er mächtige Fürsprecher in der Kurie hat. Kein Regionalbischof könnte sich sonst so etwas leisten, von Kardinal Joachim Meisner aus Köln einmal abgesehen, der diese direkte Intrige schon immer praktiziert hat. Er gehört auch zu den Mentoren dieses auf Abwege geraten „Schafes“. Dieses „Schaf“ wurde bereits als Nachfolger für Meisner gehandelt. Nicht auszudenken, was er wohl mit dem Milliardenvermögen des reichsten deutschen Bistums angestellt hätte. Jetzt muss jedes Bistum seine Finanzen offenlegen, dankt Tebartz-van Elst.

Sollte man nicht auch einmal unter Journalisten die Frage nach den Hintermännern des Bischofs stellen? Tebartz-van Elst wirkt nach außen nicht so, als ob er alleine diese "kriminelle" Energie aufbringen könnte. Wer hat im Bistum Limburg "durchgestochen", und wer hat aus anderen Bistümer ein Interesse am Sturz des Bischofs? Die Frage für wirklich kritische Journalisten müsste lauten: Cui bono? Oder ist es gar ein Konflikt zwischen Einfachheit und Repräsentation, der sich durch die ganze Kirchengeschichte zieht?  

Ein weiterer sehr einflussreicher Förderer dieses „Borgia-Bischofs“ ist der Präfekt der Glaubenskongregation, der ehemaligen Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, der noch von Benedikt XVI. berufen worden ist und an dem Papst Benedikt zum Leidwesen vieler weiter festhält; Müller gilt als konservativer Hardliner und Fürsprecher und Förderer von Tebartz-van Elst. Hat er nicht kürzlich während einer Predigt (!) von einer „Kampagne der Medien“ gegen seinen Amtsbruder gesprochen, als ob die finanziellen Exzesse des Bischofs von den Medien erfunden worden wären? Ist dies Papst Franziskus bewusst  und sollte er auch hier nicht personelle Konsequenzen ziehen?

Der Limburger Regionalbischof weilte nicht ohne Grund ständig in Rom. Er gilt dort als gut „vernetzt“, um als Nachfolger Kardinal Meisners inthronisiert zu werden. Dieser Traum scheint ausgeträumt zu sein. Darüber hinaus muss Papst Franziskus den vatikanischen „Augiasstall“ gründlich ausmisten, um mit seinem Stil, der sich auf die Freiheit und Verantwortung des Gewissens jedes einzelnen Gläubigen beruft, nicht zu scheitern. Die jesuitische Lehre von der Freiheit des Gewissens jedes einzelnen Gläubigen muss über die Lehre vom absoluten Gehorsam gegenüber dem Lehramt von Opus Dei obsiegen, damit die Kirche nicht völlig die Zeichen der Zeit verschläft.

Was soll nun die katholische Kirche mit dem Problembischof Tebartz-van Elst anstellen? Ihn in eine Kartause zu stecken, würde bedeuten, diese spirituelle Gemeinschaft zu korrumpieren und letztendlich zu zerstören. Ihm einen Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge zur Seite zu stellen, wäre nicht nur eine Beschädigung des Amtes des Koadjutors, sondern auch eine Verhöhnung der Gläubigen des Bistums Limburg. Es gibt zahlreiche noch zu vergebende Titularbischofssitze in Afrika. Man könnte Tebartz-van Elst zum Beispiel zum Titularbischof von Timbuktu in Mali ernennen, ausgestattet mit einem Gehalt eines deutschen Staatssekretärs, müsste ihm die Missionierung der islamistischen „Gotteskrieger“ gelingen. Ober man schickt ihn als seelsorglichen Betreuer der „Missionarinnen der Nächstenliebe“, die einst von Mutter Teresa gegründet worden sind, in die Slums von Kalkutta; dieses Mal aber nicht First sondern Business Class. 

In Deutschland jedenfalls ist er nicht mehr satisfaktionsfähig. Sollte er noch einmal eine Messe im Limburger Dom zelebrieren, sollten ihn die Gläubigen ausbuhen oder auspfeifen; auch dies wäre nach der massiven Geldverschwendung durch einen Bischof ein Zeichen des Selbstbewusstseins der katholischen Gläubigen in Deutschland.

Samstag, 12. Oktober 2013

Tebartz-van Elst versus Papst Franziskus

Gastgeschenk für van Elst. 
Es reicht, sollten die Gläubigen des Bistums Limburg ihrem noch-Bischof sagen. Jetzt fliegt der Limburger Skandalbischof, Luxus- oder Business Class? – auch noch nach Rom, um dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Robert Zollitsch, zuvorzukommen, um die konservativen Bataillone des Vatikans für seinen luxuriösen Lebensstil gegen den Bescheidenheit und Empathie mit den Mühseligen und Beladenen predigenden Papst in Stellung zu bringen.

Es soll wohl eine Art „Canossagang“ eines religiösen Geisterfahrers im Bischofshabit sein, um noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Dieses Unterfangen stellt die letzte öffentliche Brüskierung für den Vorsitzenden des deutschen Episkopats, Bischof Zollitsch, und fast aller deutschen Katholiken dar. Diese Aktion bestätigt nur das bisherige Verhalten dieses „Hirten“ ohne Herde. Wer begleitet van Elst? Sein ehemaliger Mentor Kardinal Meisner aus Köln nicht mehr, er hat ihm seine Loyalität aufgekündigt, bleibt vermutlich nur seine verschworene Kamarilla aus Limburg.

Wer werden seine Gesprächspartner im Vatikan sein? Der Chef der Glaubenskongregation Müller, ein konservativer Hardliner? Papst Franziskus wird ihn bestimmt nicht empfangen, um sich „erklären“ lassen zu müssen, warum ein Bischof in einer Edelbadewanne des Designers Philippe Starck im Werte von 15 000 Euro plantschen muss, wo Millionen von Armen nicht wissen, ob sie das Morgen noch erleben. Ober warum man sich ein Luxusrefugium für 31 Mio. Euro bauen muss? (Die wirklichen Baukosten sind bis dato noch nicht bekannt.) Unter den Borgia-Päpsten hätte man für solch einen schamlosen Luxus und Lebensstil ein offenes Ohr gehabt. Vielleicht wäre Tebartz-van Elst im Mittelalter besser aufgehoben gewesen, da er es zu dieser Zeit auch mit keiner nervigen Öffentlichkeit zu tun gehabt hätte. 

Der einzige Sinn dieses Besuches könnte sein, dass sich der Limburger Bischof persönlich seine „Entlassungsurkunde“ abholen möchte, die ihm dann aber nur vom Leiter der päpstlichen Garde am Tor zum Vatikan überreicht werden sollte. Als Gastgeschenk könnte man dem Bischof noch die unbenutzten „roten Schuhe“ des Papstes überreichen. Sollte Papst Franziskus diesen Bischof nicht seines Amtes entheben, um massiven Schaden von der schon genug gebeutelten katholischen Kirche abzuwenden, sollten alle Gläubigen des Bistums Limburg überlegen, ob sie nicht kollektiv aus der katholischen Kirche austreten sollten. 

Die katholische Kirche bot „verirrten Schafen“ schon immer einen Weg, um auf den Pfad der Tugend zurückzufinden. Dieser ideale Ort für Tebartz-van Elst wäre ein mehrjähriges Busschweigen in dem Kathäuserkloster auf der Schwäbischen Alb. Dort hätte er ausreichend Zeit, nicht nur die consilia evangelica, sondern auch Bescheidenheit, Demut und Armut einzuüben. 

In dieser Kartause bewohnt er dann ein kleines Häuschen, das aus zwei Zimmern besteht, das erste, das „Pater noster“, ist leer und eignet sich besonders zur Einübung der Demut, das zweite ist „möbliert“, und zwar mit einem Holzstuhl, Holztisch und einem Kastenbett. Betten müsste sich der Bischof auf einer Strohmatratze, das Kopfkissen und die Bettdecke sind mit Heu gefüllt. Man schläft übrigens wohlig in einem solchen Etablissement! Die Nasszelle ist besser als das, was den Obdachlosen zur Verfügung steht: Nur fließend kaltes Wasser für „Warmduscher“, der Wert des Materials ist weit entfernt von 15 000 Euro, es scheint eher bei 50 Euro zu liegen. Es gibt auch noch einen 30 Quadratmeter großen Garten, den man täglich oder wöchentlich umgraben kann, damit die Mühsal des täglichen Lebens nicht aus dem Blickfeld gerät. In einer kleinen Werkstatt kann man drechseln. 

Gebetet wird in dieser Einrichtung acht Mal am Tag, beginnend um 22.40 Uhr bis 2.00 nachts; um 6.00 Uhr beginnt die Mediation in der Zelle, um sich dann um 7.00 Uhr wieder in die Kirche zu treffen. Die einzige Mahlzeit würde dem Bischof um 11.15 durch eine „Durchreiche“ gereicht. Acht Stunden sind für Handarbeit reserviert. Wohl gemerkt: Es gibt weder Telefon, Radio, Fernsehen, Tageszeitungen oder Videos; auch ein Mercedes der Luxusklasse samt Chauffeur steht nicht Gewehr bei Fuß. Nach dieser Auszeit könnte der Geläuterte mit dem etwas klapprigen VW-Golf seines ehemaligen Vorgängers wieder von Dannen nach Nirgendwo ziehen und von neuem beginnen.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Das Afghanistan-Desaster

Deutsche Minister bei der Schlüsselübergabe in Kunduz.
Die deutschen Medien haben den 12. Jahrestag des Afghanistan-Überfalls durch die USA geflissentlich übergangen. Es gibt auch keinen Grund, dieses Desasters zu gedenken. Über was die Medien jedoch berichtet haben, war eine bizarre Veranstaltung, bei der die „Schlüssel“ für das deutsche Feldlager in Kunduz in afghanische Hände übergeben worden sind. Zu diesem Event reisten der deutsche Verteidigungs- und der Außenminister an, um ihren afghanischen „Freunden“ viel Glück zu wünschen und das Versprechen abzugeben, sie auch in Zukunft nicht alleine zu lassen. Bis das Feldlager Kunduz von den Taliban überrannt werden wird, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Ehemalige Stützpunkte der US-Amerikaner sind bereits von den Taliban übernommen worden. 

Das Afghanistan-Abenteuer hatte doch für alle so hoffnungsvoll begonnen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 überschlug sich die Bundesregierung in „uneingeschränkter Solidarität“ mit den USA, wohlwissend, dass Afghanistan nichts mit diesen Terroranschlägen zu tun hatte. Endlich konnte sich die Bundeswehr als Entwicklungs- und Aufbauhelfer bewähren, wenn man den Worten der damaligen Verteidigungsminister glauben wollte. Ein bewaffnetes THW wurde der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, bis die ersten toten deutschen Soldaten zu beklagen waren. Peu à peu wurde aus dem Unwort „Krieg“ bittere Realität, die nicht länger geleugnet werden konnte. 

Wenn schon die USA nicht mit noblen Absichten Afghanistan in die Steinzeit zurückbomben wollten, so zeigte wenigstens das deutsche Expeditionscorps seine edlen Absichten. Man wollte den Afghanen die Segnungen samt dem bundesrepublikanischen Bewusstsein des 21. Jahrhunderts kostenlos liefern: Demokratie, Freiheit, Bildung, Frauenrechte, Gendermainstreaming usw. Nach 12 Jahren Besatzung ist die Bilanz niederschmetternd. 

Mehr als 20 Mrd. Euro wurden regelrecht am Hindukusch in den Sand gesetzt. 54 Soldaten mussten ihre Leben für eine politische Schnapsidee lassen. (Deutschlands Freiheit werde auch am Hindukusch verteidigt!) Unzählige Soldaten kommen traumatisiert zurück, weil sie mit der Sinnlosigkeit dieses Abenteuers nicht fertig werden. Von den hehren Zielen wurde nicht eines realisiert. Es geht den westlichen Besatzern nur noch darum, ohne Gesichtsverlust aus diesem Schlammassel rauszukommen. 

Die deutsche politische Elite sollte mit Wechseln auf die Zukunft behutsam umgehen und nicht schon jetzt Zusagen wie, „wir lassen sie nicht im Stich“, zu machen, die man dann doch nicht einhalten kann. Bis 2016 wurden weiter 430 Mio. Euro versprochen, und bis zu 800 Soldaten sollen auch über den offiziellen Abzugstermin Ende 2014 in Afghanistan stationiert bleiben. Die Verantwortlichen sollten sich jedoch eingestehen, dass das Afghanistan-Abenteuer die größte außenpolitische Fehlentscheidung war, die seit Gründung der Bundesrepublik gefällt worden ist. Hat der Gouverneur von Kunduz keine anderen Sorgen, als die deutsche Seite daran zu erinnern, dass sie das versprochene Schwimmbad noch nicht fertiggebaut habe? 

Die Hauptlast dieser fehlgeleiteten Politik haben jedoch die USA zu tragen. Sie haben allein in Afghanistan fast 2 300 tote Soldaten zu beklagen, nicht zu sprechen von den fast 4 500 Gefallenen in Irak. Die Schwerstverwundeten und Verkrüppelten übersteigen nach offiziellen Angaben 32 000; Schätzungen belaufen sich jedoch auf zirka 100 000. Jährlich begehen mehr als 300 Soldaten Selbstmord – Tendenz steigend. Die Kosten des Irak- und Afghanistan-Abenteuers werden auf über acht Billionen US-Dollar geschätzt. Von den Folgekosten für die Versorgung der arbeitsunfähigen Soldaten, deren medizinischer Betreuung samt deren Familien gar nicht zu reden. In der Tat eine stolze Bilanz für das größte Militärbündnis der Welt.

Dem US-Imperium und seinen Helfershelfern ist es in Afghanistan nicht anders ergangen wie weiland den Soldaten ihrer königlichen Majestät und der Sowjetunion. Wurde die Sowjetunion noch durch die „Glaubenskrieger“ geschlagen, die massiv von den USA und Saudi-Arabien mit Waffen und Geld unterstützt worden sind, so musste das westliche Militärbündnis vor den mit primitivsten Mitteln kämpfenden Taliban kapitulieren und den geordneten Rückzug antreten. 

Die fehlgeleitete Politik des Westens nach dem 11. September 2001 hat nicht nur in Irak und Afghanistan millionenfachen Tod und Zerstörung hinterlassen, sondern auch in Libyen und Syrien zu Chaos geführt. Der Überfall Frankreichs, Großbritanniens und der USA auf Libyen hat auch dieses Land zu einem Tummelplatz von islamistischen Terroristen und zu einem „gescheiterten Staat“ gemacht. Dank der Diplomatie Russlands ist Syrien dieses Schicksal bis jetzt erspart geblieben. Wäre es nach Obama und Frankreichs Präsident Hollande gegangen, befände sich „der Westen“ bereits in einem weiteren Krieg gegen ein muslimisches Land. 

Dass sich Deutschland an dem Sturz Gaddafis nicht beteiligt hat, war politisch klug, weil dieser auf dem Missbrauch der Resolution des UN-Sicherheitsrates beruhte. Russland und China wurden vom Westen getäuscht, deshalb werden sie keiner weiteren UN-Sicherheitsratsresolution im Falle Syriens zustimmen, die auch nur die geringste Chance für einen Missbrauch durch den Westen bieten könnte. Wenn der Westen Syrien überfallen will, ist dies ein völkerrechtswidriger Aggressionskrieg. 

Aufgrund der negativen Erfahrungen, die Deutschland mit seinen westlichen Verbündeten gemacht hat, sollte das Land verstärkt seine Außenpolitik nach eigenen nationalen Interessen ausrichten und sich nicht mehr ins Schlepptau des US-Imperiums und seiner anderen willfährigen Verbündeten begeben.